Im Verlauf von Kooperationsprojekten und in Gesprächen mit Nutzerinnen und Nutzern wurde deutlich, dass die vielen unterschiedlichen Benutzergruppen intuitive Zugänge zu einem Gebäude benötigen, die sich voneinander stark unterscheiden. Kunsthistoriker und Kunsthistorikerinnen interessieren sich beispielsweise stark für die Ausstattung eines Gebäudes und wünschen sich eine genauere Aufschlüsselung nach einzelnem Inventar und Wandfassaden, wohingegen einen Archäologen oder eine Archäologin nicht die Wandbemalung, dafür aber das Material und Alter der einzelnen Bausteine interessiert. Anwender und Anwenderinnen aus dem Bereich des Dombaus wiederum interessieren sich für Elemente der konstruktiven Gebäudestruktur wie Strebewerk und Gewölbe. Jeder dieser Anwendungsfälle erstellt eine anders gegliederte Strukturhierarchie und benötigt ein anderes Vokabular an Themen, dennoch gibt es oftmals auch Überschneidungen. Besonders die hinterlegten Dokumente sollten dabei keinesfalls mehrfach in verschiedenen Systemen verwaltet werden. Was benötigt wird, ist folglich also ein einzelnes System, welches alle Daten konsistent und sicher beinhaltet, für verschiedene Anwender und Anwenderinnen nach außen hin aber in einer jeweils angepassten Form auftritt.


Als Folge dieser Überlegungen wurde in MonArch 3.0 die Möglichkeit zur Nutzung und Verwaltung sogenannter „Kontexte“ eingeführt. Sie dienen der Zusammenfassung von Objekten nach verschiedenen Gesichtspunkten und ermöglichen damit die Filterung des kompletten Systems gemäß dieser Aspekte, z.B. nach einem raumbezogenen Kontext, einem Monitoring Kontext, einem Ausstattungskontext oder einem temporal einschränkenden Kontext. Diese Filterung geschieht nur in der Ansicht selbst, somit gibt es keinen Informationsverlust, auch wenn nicht alle Daten für jeden Anwender sichtbar sind. Anders als Themen befinden sich Kontexte auf einer höheren Ebene des Systems, da sie nicht den gespeicherten Informationen selbst (also digitalen Dokumenten, Notizen, etc.) zugeordnet werden, sondern den organisierenden Meta-Elementen um diese Informationen herum (also den Strukturelementen und Themen). Hierbei gilt immer: Ein Kontext kann mit beliebig vielen Elementen verknüpft werden, ebenso kann ein Element mit beliebig vielen Kontexten verknüpft werden. Zudem können die Kontexte selbst mittels einer Unterkontext-Beziehung weiter aufgegliedert werden und erstellen damit ihre eigene Kontext-Hierarchie.


Aus der Kombination von Kontexten und den in MonArch 3.0 neu eingeführten Querbeziehungen eröffnen sich bisher unbekannte Möglichkeiten, ein Bauwerk zu repräsentieren. Da ein Gebäudeteil nun mehrmals verlinkt werden kann, die übergeordneten Elemente aber möglicherweise verschiedenen Kontexten angehören, lässt sich durch Auswahl eines bestimmten Kontextes die Sicht auf die gesamte Strukturhierarchie verändern. Ein temporaler Kontext schränkt beispielsweise die Struktur eines Gebäudes auf dessen Stand innerhalb eines bestimmten zeitlichen Rahmens ein. So werden bei Filterung auf die Spätgotik z.B. einige Gebäudeteile ausgeblendet, da sie erst später an das Gebäude angebaut wurden. Wieder andere Elemente, wie eine Steinfigur, wurden dagegen möglicherweise inzwischen aus dem Gebäude entfernt und befinden sich nun in einem Museum. In MonArch 3.0 kann diese Figur dennoch in die Hierarchie an passender Stelle eingefügt werden, ohne die Repräsentation des aktuellen Gebäudes zu verfälschen, da es dem Kontext der Spätgotik zugeordnet wurde und somit nur bei Auswahl dieses Kontextes sichtbar ist.


Analog dazu kann auch die Themenhierarchie mit einer Kontexthierarchie angereichert werden. MonArch unterscheidet deshalb zwischen räumlichen Kontexten und thematischen Kontexten. Für Themen kann dies beispielsweise zur Darstellung einer einzelnen Norm oder der Verwendung eines spezifischen Fachvokabulars genutzt werden, wodurch eine Fokussierung des gesamten MonArch-Systems auf einen bestimmten Aspekt ermöglicht wird.

Zusammengefasst blendet die Auswahl eines Kontextes also bestimmte Elemente der beiden Hierarchien aus und filtert dadurch die Ansicht auf ein modelliertes Gebäude und das darin verwendete Vokabular, wodurch weiterführend aber auch eine zusätzliche und anders angeordnete Struktur entstehen kann.