Die Kaiserthermen in Trier zählen zu den größten und am besten erhaltenen römischen Thermen nördlich der Alpen. Mit einer Ausdehnung von etwa 250 × 145 Metern gehören sie zu den monumentalen Bauwerken der Spätantike und sind seit 1986 Teil des UNESCO-Welterbes. Ursprünglich um 300 n. Chr. errichtet, entstanden sie in einer Zeit, als Trier Residenzstadt des römischen Kaisers Constantius Chlorus und seines Sohnes Constantin des Großen war. Im Mittelalter wurden die gewaltigen Ruinen in die Stadtbefestigung integriert und bildeten das südöstliche Stadttor der Stadt.
Die Kaiserthermen stehen gemeinsam mit den Barbarathermen und der Porta Nigra im Mittelpunkt eines umfassenden Programms zur archäologischen und bauhistorischen Bestandsaufnahme der antiken Trierer Großbauten. Zwischen 2010 und 2015 wurde die Anlage durch die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz in Zusammenarbeit mit dem Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung Rheinland-Pfalz und dem MonArch-Team systematisch dokumentiert. Ziel war es, die komplexe Baugeschichte, die Erhaltungszustände und die vielfältigen Restaurierungsphasen in einer strukturierten, digital zugänglichen Form zu erfassen.
Die besondere Herausforderung der Trierer Kaiserthermen liegt in ihrem komplexen Bau und ihrer Nutzungsgeschichte. Im MonArch-System wird diese Vielschichtigkeit durch eine mehrstufige räumliche Hierarchie abgebildet. Insgesamt wurden dazu 164 Räume modelliert – unterteilt in Haupt-, Keller- und Umbauräume sowie die zugehörigen Wand- und Deckenelemente. Für jedes dieser Elemente können zugehörige Informationen, meist in Form von Dokumenten, unmittelbar aufgerufen werden. Der zugrunde liegende Dokumentenbestand umfasst inzwischen mehr als 6.500 Einträge, darunter historische Grabungszeichnungen, Skizzenbücher, Protokolle, Bauaufnahmen, Restaurierungsberichte und umfangreiche fotogrammetrische Dokumentationen. Diese Daten wurden im Rahmen der archäologischen Bestandsaufnahme in MonArch eingepflegt und räumlich wie semantisch verknüpft. Auf diese Weise entsteht ein digitales Raumbuch, das sowohl die antiken Bauphasen als auch die mittelalterlichen und neuzeitlichen Eingriffe nachvollziehbar macht.
„Mit MonArch lässt sich die Auswertung der Dokumente für das Raumbuch leichter recherchieren, als wenn man sämtliche Archive oder Ordner durchkämmen müsste.“
Dr. Michael Dodt, Universität zu Köln (Archäologie der römischen Provinzen)
Auch bei den aktuellen Restaurierungsmaßnahmen wird MonArch als zentrales Arbeitsinstrument genutzt. Die beteiligten Denkmalpflege-Abteilungen und Fachbüros greifen direkt auf das System zu, um Zustandsberichte und Pläne einzusehen. Dadurch entsteht eine enge Verzahnung zwischen archäologischer Forschung, Restaurierung und technischer Planung. Ein weiterer wesentlicher Effekt der Digitalisierung ist die verbesserte Zugänglichkeit der Archive: Alle Grabungspläne, Zeichnungen und Fotografien werden digitalisiert und in MonArch eingebunden. So entsteht ein umfassendes, durchsuchbares Wissensarchiv zur römischen Baugeschichte Triers, das Forschung und Denkmalpflege gleichermaßen unterstützt.
„Ein Nebeneffekt von MonArch ist, dass die Dokumente im System für alle Beteiligten verfügbar sind, d.h. auch im Rahmen der aktuellen Inventarisierung, bei der alle Grabungspläne und Zeichnungen des Trierer Landesmuseums gescannt werden sollen.“
Dr. Michael Dodt, Universität zu Köln (Archäologie der römischen Provinzen)
Mit MonArch steht den beteiligten Institutionen ein leistungsfähiges Werkzeug zur Verfügung, das die wissenschaftliche Auswertung, Restaurierung und langfristige Erhaltung der Kaiserthermen unterstützt. Es ermöglicht die Verknüpfung historischer und moderner Aufnahmen, die digitale Nachvollziehbarkeit von Eingriffen und die nachhaltige Sicherung des kulturellen Erbes. Die Kaiserthermen sind damit ein exemplarisches Beispiel für den erfolgreichen Einsatz digitaler Systeme in der archäologischen Dokumentation und Denkmalpflege.
