Im September 2017 hat das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierte und auf die Dauer von drei Jahren angelegte kunsthistorische Forschungsprojekt „Der Wandmalereizyklus zu den Wissenschaften und Künsten in der Brandenburger Domklausur. Kunstproduktion und Wissensorganisation um 1450“ die Arbeit aufgenommen. Mit Ulrike Heinrichs als Projektleiterin und Bearbeiterin von Fragen der frühneuzeitlichen Genremalerei und verwandter Werke der Skulptur in der Mark Brandenburg, Katharina Pick als Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin der Kunstgeschichte und Martina Voigt als Bearbeiterin der Epigraphik wird die grundlegende kunstgeschichtliche Erforschung der repräsentativen Wandgemälde im baulichen und geistesgeschichtlichen Kontext der ehemaligen Bibliothek des Domkapitels und Prämonstratenserkonvents geleistet. Das Forschungsprojekt wird durch die enge Kooperation mit dem Domstift Brandenburg sowie dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum (BLDAM) ermöglicht. Die zu erwartenden Erkenntnisse betreffen Forschungsdesiderata zur Kunst der Mark Brandenburg in der Mitte des 15. Jahrhunderts wie auch Aspekte der spätmittelalterlichen Bildungsgeschichte und neue Einsichten in eine überregionale Vernetzung. Mit dem DFG-Projekt eröffnet sich nun der Forschung die Chance, die anspruchsvolle Ausmalung der ehemaligen Bibliothek dem Wissenschaftler wie dem Laien ihrem Bestand und ihren Kontexten nach umfassend zu erschließen.

Hervorzuheben ist die bereits in den Vorarbeiten bewusst angelegte Interdisziplinarität: Unter dem gemeinsamen Titel „Der Wandmalereizyklus zu den Wissenschaften und Künsten in der Brandenburger Domklausur“ begannen im Juli 2017 die Arbeiten im Rahmen des Partnerprojektes „Konservierungswissenschaftliche Forschung zur substanziellen und ideellen Erschließung des erhaltenen Bestandes“, initiiert von Prof. Dr. Rest. Nicole Riedl-Siedow (†) und seit 1. November 2017 unter der Leitung von Prof. Dr. Dipl. Rest. Ursula Schädler-Saub, Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) Hildesheim/Holzminden/Göttingen. Die Zusammenarbeit gewährleistet eine adäquate Herangehensweise an die Wand- und Gewölbemalereien mit kunsthistorischen und konservierungswissenschaftlichen Methoden. Letztere ermöglichen durch ein Untersuchungsprogramm von zerstörungsfreien und zerstörungsarmen analytischen und bildgebenden Verfahren auch eine Auswertung und Visualisierung der im natürlichen Licht nicht erkennbaren Komponenten der Wandmalerei als Grundlage für die weiterführende Forschung.

Als eine gemeinsames Publikationsform und innovative Vernetzung der heterogenen Daten aus den beiden ‚Tandemprojekten’ wird mit Unterstützung des Zentrums für Informations- und Medientechnologien (IMT) und der Universitätsbibliothek der Universität Paderborn das an der Universität Passau entwickelte MonArch-System eingesetzt. Nicht zuletzt wird dadurch ein wichtiger Beitrag für den Erhalt und die Zugänglichkeit der einzigartigen Wandgemälde geleistet. MonArch ermöglicht die strukturierte Zuordnung von Text-, Bild- und Raumdaten zu den einzelnen Bauteilen der Domklausur. Über navigierbare Flächen in Gebäudeplänen sowie einen Themenbaum lassen sich Bauaufnahmen, Befundkarten, Analyseergebnisse und Fotografien weiter miteinander verknüpfen und aufrufen.

Die Brandenburger Domklausur gilt damit als exemplarischer Anwendungsfall für den forschungsorientierten Einsatz digitaler Dokumentationssysteme in der Kunstgeschichte, Bauforschung und Denkmalpflege. MonArch stärkt die interdisziplinäre Zusammenarbeit und gewährleistet die langfristige Sicherung der Forschungsdaten.

TitelDer Wand­ma­le­rei­zy­klus zu den Wis­sen­schaf­ten und Küns­ten in der Bran­den­bur­ger Dom­klau­sur. Kunst­pro­duk­ti­on und Wis­sens­or­ga­ni­sa­ti­on um 1450
Laufzeit01.09.2017 – 31.12.2021
MittelgeberDFG – Deutsche Forschungsgemeinschaft
ProjektnummerAOBJ 638244
LeitungProf. Dr. Ulrike Heinrichs (Universität Paderborn)
Prof. Dr. Dipl. Rest. Ursula Schädler-Saub (HAWK Hildesheim)