Die beiden Nürnberger Großkirchen St. Sebald und St. Lorenz zählen zu den bedeutendsten Bau- und Kunstdenkmälern Deutschlands. Seit dem Mittelalter prägen sie maßgeblich das Stadtbild und stiften bis heute Identität. St. Sebald ist die ältere der beiden Kirchen und als ehemalige Ratskirche eng mit dem Aufstieg der freien Reichsstadt Nürnberg verknüpft. Architektur, Ausstattung und Geschichte stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit der Sebaldusverehrung, dem damit verbundenen Prozessionswesen sowie dem politischen und kulturellen Rang der Stadt.

Der Bau der Kirche begann bereits im 13. Jahrhundert. In seiner architektonischen Gestalt orientiert er sich am Bamberger Dom und markiert den Übergang von der Romanik zur Gotik. Der spätromanische Bau, der sich besonders im Langhaus und im Westchor eindrücklich ablesen lässt, findet mit seinen gotischen Erweiterungen im mit zahlreichen Kunstwerken ausgestatteten Hallenchor seinen Höhepunkt. Als Stadtkirche ist St. Sebald eng mit der Geschichte Nürnbergs verbunden: Sie ist mit der Stadt gewachsen, beide wurden im Krieg in großen Teilen zerstört und wieder aufgebaut.

St. Sebald ist nicht nur ein Ort des Glaubens, sondern auch ein einzigartiges kulturhistorisches Archiv aus Stein, Holz, Glas, Wandmalerei und Metall. Hochrangige Künstler des Mittelalters wie Albrecht Dürer, Adam Kraft, Veit Stoss, Veit Hirsvogel und Peter Vischer schufen hier weit über Deutschland hinaus anerkannte Kunstwerke, darunter das Schreyer-Landauer-Grabmal, das Sebaldusgrab, das Passionsrelief sowie die besonderen Glasmalereibestände. All dies zeugt von der handwerklichen und geistig-kulturellen Blüte des mittelalterlichen Nürnbergs.

Ausgangspunkt der Arbeiten mit MonArch war die Inventarisierung und Bewertung der umfangreichen Archivbestände. Besonders hervorzuheben ist dabei der Planfund zur großen Restaurierung der Kirche Ende des 19. Jahrhunderts, der im Rahmen des Projekts erschlossen werden konnte. Die dabei gewonnenen Informationen wurden digital in MonArch erfasst, um die historischen Materialien langfristig zu sichern und gleichzeitig für Forschung und Denkmalpflege nutzbar zu machen. Anschließend wurden die im System gespeicherten Digitalisate sowohl räumlich innerhalb der Bauwerksstruktur der Sebalduskirche verortet als auch mehrdimensional semantisch verschlagwortet. Ergänzend entstand ein umfangreicher Satz zweidimensionaler Planunterlagen, der aufbereitet und mit der Bauwerksstruktur verknüpft wurde. Durch diese präzise und vernetzte Dokumentation lässt sich die Baugeschichte der Sebalduskirche heute detailliert nachvollziehen. Die digitale Erfassung in MonArch leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung, Erforschung und Vermittlung dieses einzigartigen Kulturerbes.